Film von 2003

 

Die Dorfgeschichte von Littfeld im Littfelder Raum

(von Willi Jochum)

Der Littfelder Raum befindet sich ganz im Norden des Siegerlandes. Er wird fast rundherum von den Höhenzügen der Ausläufer des Rothaargebirges begrenzt, und ist nur nach Südwesten Richtung Krombach offen. Über die Höhenzüge von Nordwesten bis Südosten verläuft auch die Grenze zwischen Sauer- und Siegerland. Gleichzeitig sind sie Wasser- und Wetterscheide, Mundart-, Stammes- und Bekenntnisgrenzen. Im Littfelder Raum liegen die beiden Ortschaften Burgholdinghausen und Littfeld. Die quer durch das Tal verlaufende Gemarkungsgrenze von Littfeld zu dem Nachbarort Krombach ist die Grundlinie eines Dreiecks, das den Littfelder Raum darstellt.

 

Zeittafel

 

1075        Um 1075 wird in einer Schenkungsurkunde erstmals eine Besiedlung des Littfelder Raums erwähnt. Die Gebrüder Heribertus und Gerungus schenken der Abtei zu Deutz unter anderem je ein Mansum (Hof) in Henninghusen und in Haldenghusen. Der in Henninghusen genannte Hof kann mit dem um 1250 genannten Vyspe in Verbindung gebracht werden.

 

1250        Wie dieses Vyspe wird auch Lytphe um 1250 in einem Abgabeverzeichnis an den Probst zu Amöneburg als in der Vogtei Crombach liegend, aufgeführt.

 

Vyspe hatte von allen in der Vogtei aufgeführten Ortschaften mit Abstand die weitaus höchsten Abgaben zu leisten und musste daher sehr reich gewesen sein. Vielleicht war dieses Vyspe die Stadt auf dem Altenberg, die nach der Sage durch ein Himmelsgericht, durch Feuer und Schwefel vernichtet wurde.

 

1461        werden 25 Steuerpflichtige in Letphe genannt, von denen 4 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zu Burgholdinghausen gezählt werden können.

 

1461 – 1504    in den Abgabelisten an den Fürstenhof zu Siegen werden die Bewohner des Littfelder Raumes von 1461 bis 1504 als zu einem Ort gehörend aufgeführt. Erst später findet sich in diesen sogenannten Bede- bzw. Steuerlisten eine Trennung der heute Burgholdinghausen und Littfeld genannten Ortschaften.

 

1521        beginnen die Herren von Holdinghausen ihren Deutzer Lehnshof zu   vergrößern. Nach dem Inhalt von über 400 Kaufbriefen veräußern die unter Letphe genannten Bewohner den Besitz in der jetzigen Gemarkung Burgholdinghausen.

 

1523    baut Heinrich von Holdinghausen in Littfeld eine Mühle, die bis 1957 in Betrieb ist.

1542        53 Häuser zahlen Bede (Steuer), davon 5 Holdinghauser, die nicht als solche aufgeführt sind.

 

1563        Im Littfelder Raum werden aufgeführt:

Lietphen mit 3 Häusern, 25 Einwohner, 30 Stück Rindvieh und 3 Pferden,

Lietpher Zech mit 55 Häusern, 284 Einwohnern, 409 Stück Rindvieh, 264 Schafen und 19 Pferden,

Hillingkhuasen mit 3 Häusern und Holenkhusen mit einem Haus. Die 4 Häuser haben 35 Einwohner, 38 Rinder und 14 Schafe.

 

1567        In Hollenkhausen wird die Stahlhütte genannt, die bis um 1860 in Betrieb war.

 

1635 – 1636    In Lietfen sterben aus 58 Häusern 152 und in Holdinghausen aus 6 Häusern mit 35 Einwohnern 16 Menschen an der Pest.

 

1687        Nach dem Tod des letzten männlichen Holdinghauser fällt das Gut an die Maria Rosina von Holdinghausen, die mit dem Phillipp von der Hees verheiratet ist. Damit geht das Gut Holdinghausen an die Heeser über.

 

Zur Entstehung und Bedeutung des Namens Littfeld

Der erstgenannte Name Lytphe hat sich in der m undartlichen Aussprache bis zum heutigen Tag nicht veändert. In der Schreibweise finden sich über Jahrhunderte immer wieder Abweichungen von Letphe über Leytphen und Letfen bis zum erstenmal auf der 1687 gegossenen Glocke der Name Lietdfel genannt wird. Der Name Lytphe ist auf einen Bachnamen zu deuten: Die erste Silbe Let bedeutet Lehm. Mit aphe oder Ahe bezeichneten die Kelten das Wasser, den Bach. Lytphe oder Letphe war der Bach, an dem die Einwohner den Lehm fanden, den sie zum Bau der Brennöfen benötigten.

 

1687 Nach dem Brand der Kapelle wird eine Glocke mit der Inschrift: „Zu Gottes Ehr wardt diese Glocke in die nach dem Brand avffgebravwete Capell zu Lietdfel gegossen“ angefertigt. Die erste neue Namensnennung von Littfeld. Dem Litpfe wurde ein Feld angehängt.

1692                   Ab 1692 werden die Toden neben der Kapelle in Littfeld begraben.

 

1701                   werden in Littfeld 81 Feuerstätten gezählt.

 

1708                   Böches Haus in der Meisterstraße hat in der Balkeninschrift das Baujahr 1708 stehen. Das ist die älteste bekannte Angabe über einen Bau eines Hauses in Littfeld.

 

1708                   Littfeld ist mit 61 Häusern und 364 Einwohnern das größte Dorf im Amt Ferndorf.

 

1760                   Bau der herrschaftlichen Schmelzhütte durch Johann Heinrich Jung. Standort der heutigen Betonwarenfabrik Benner in der Erle.

1763                   Bau eines Pochwerks und

1768                   des Reckhammers durch den Oberbergmeister Johann Heinrich Jung.

1785                   Verkauf von Holdinghausen durch die Heeser an den Hauptgläubiger Brabeck.

1786                   Verkauf des Gutes Holdinghausen von Brabeck an den Freiherrn Friedrich Leopold von Fürstenberg: 10 Wohnhäuser, 74 Bewohner, 3 Nebengebäude, eine Mahlmühle, eine Stahlhütte sowie 5385 Morgen Hochwald, Acker und Wiesen.

1802                   Neuer Name Burgholdinghausen.

1806 – 1813         Besetzung durch die Franzosen – „Franzosenzeit“

1817 – 1819         Große Hungersnot.

1835                   In Littfeld zählt man 92 Häuser, 21 Berufe werden von 97 Berufstätigen ausgeübt, davon sind 28 Bergleute (entspr. 21% der Berufstätigen)

 

1840                   Durchbau der Strasse von Krombach nach Altenhundem.

1861                   Bau der Eisenbahnstrecke Hagen – Siegen.

1867          Littfeld hat168 Haushalte mit 1112 Einwohnern, Burgholdinghausen 7 Häuser mit 305 Einwohnern, davon sind in Littfeld 22 Landwirte und 32 Bergleute(entspr. 2% der Bevölkerung).

1874                   Schließung der Burgholdinghauser Hütte.

1875                   Neue Hausnummerierung in Littfeld. 40 Gewerbetreibende, 109 Berufstätige, davon 26 Bergleute (entspr. 24% der Berufsatätigen)

1889                   Bau einer zweiten Schule von dem Schulverband Burgholdinghausen – Littfeld.

1921                   Stillegung der Grube Silberart.

1927                   Stillegung der Gruben Altenberg und der seit 1918 betrieblich zusammengelegten Gruben Heinrichsegen und Victoria. Auf der Grube Victoria besteht noch ein Flotationsbetrieb bis 1960

1936                   Verkauf des Gute Burgholdinghausen durch das Haus Fürstenberg- Herdringen an die Familie Reinhold Woeste. Das Gut ist 1375 ha, 0,4ar, 91qm groß und hat 7 Häuser mit 38 Einwohnern. In Littfeld werden 847ha, 81ar, 39qm, 225 Häuser, 1327 Einwohner sowie 23 Vereine oder vereinsartige Verbindungen registriert.

1937                   Einrichten eines Kindergartens in Littfeld.

1957                   Die neue Schule erhält den Namen des Oberbergmeisters Johann Heinrich Jung.

1969                   Eingemeindung in die Stadt Kreuztal, Burgholdinghausen zählt 23 Wohngebäude mit 32 Haushalten und 103 Einwohner, Littfeld 423 Wohngebäude mit 659 Haushalten und 2463 Einwohnern.

1995                   Littfeld: 1057 Haushalte mit 2876 Einwohnern, davon weiblich 1459, männlich 1417. Burgholdinghausen: 25 Haushalte mit 50 Einwohnern, davon weiblich 23, männlich 27.

1996 – 2008         Littfeld – Burgholdinghausen beteiligt sich am Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden. Unser Dorf hat Zukunft.“ In diesem Zusammenhang wird die ehemalige Kapelle, jetzt Bürgertreff Kapellenschule, gründlich renoviert und mit einem neuen, behindertengerechten Eingangsbereich versehen.

2009          Der Raum Littfeld- Burgholdinghausen hat: 2223ha Gemarkungsfläche und  2876 Einwohner,