3 Januar 2014,
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11. März. 2013

Kreuztal ist bundesweit die 824. Kommune, die sich an Gunter Demnigs Projekt beteiligt hat.

Verneigung wider das Vergessen

Zwölf Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Kreuztaler Juden

+Toni, Grete und Berthold Meier lebten am Littfelder Lindenweg. Seit gestern erinnern Stolpersteine an die drei jüdischen Opfer der Nationalsozialisten. Weitere Steine wurden an der Hagener Straße und an der Grubenstraße verlegt. (Foto: Jan Schäfer)

Der Name Fred Meier ist den Kreuztalern ein Begriff. Einmal im Jahr, immer am 27. Januar, wird an der nach ihm benannten Straßenkreuzung im Ortsteil Littfeld in einer offiziellen Gedenkstunde an den Sohn von Siegfried und Minna Meier erinnert, der im Alter von nur drei Jahren mit dem zweiten Deportationszug über Siegen in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt wurde. Nur 535 der 1500 Männer und Frauen, die mit diesem Transport nach Auschwitz kamen, wurden tatsächlich in das Lager eingewiesen. Man muss also davon ausgehen, dass der kleine Junge und seine Mutter zu den Menschen gehörten, die sofort in den Gaskammern umgebracht wurden.

Ab sofort erinnert nicht allein das Schild auf dem Fred-Meier-Platz an die Gräueltaten der Nationalsozialisten: Gestern Nachmittag verlegte der Frechener Künstler Gunter Demnig elf Stolpersteine in Littfeld und einen weiteren in Krombach. Sie alle sollen an die jüdischen Menschen erinnern, die einst hier lebten und Teil der Gesellschaft waren – bis sie zum Opfer des Holocausts wurden. Nicht nur die Meiers aus der Hagener Straße gehörten dazu, sondern auch die Familie Meier aus dem Lindenweg, die Familie Meier/Marx aus der Grubenstraße sowie Johanna Rosenheim, deren Stolperstein gestern vor dem Haus Hagener Straße 231 in Krombach verlegt wurde.

„Ich bin froh, dass es endlich gelungen ist, auch hier in Kreuztal Zeichen zu setzen“, sagte Bürgermeister Walter Kiß, der sich auch gleich bei den Sponsoren bedankte, die sich zur Finanzierung der bronzenen Erinnerungstäfelchen bereit erklärt hätten. Die Verfolgung und Ermordung der Juden im „Dritten Reich“, dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, „ist auch Teil unserer Stadtgeschichte, deren Verantwortung wir uns stellen müssen“.

Kreuztal ist damit die 824. deutsche Kommune, in der Stolpersteine an die jüdischen Opfer der Nazis erinnern, auch im Kreis Siegen-Wittgenstein hat Gunter Demnig bereits zahlreiche Gedenksteine in den Boden gelassen. Europaweit hat der studierte Kunst-Pädadoge und Designer (Jahrgang 1947) seit den 1990er-Jahren rund 1000 Städte und Gemeinden erreicht. Im Sommer dieses Jahres, so sagte Demnig der SZ, werde er den 40 000. Stolperstein verlegen. Ein Ende der Aktion ist damit aber noch lange nicht in Sicht.

„Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch“ – so lautete der Titel der gestrigen Aktion zum Gedenken an die Verfolgung und Deportation der jüdischen Bürger der Kindelsbergkommune. Veranstaltet wurde diese vom Heimatverein Littfeld/Burgholdinghausen, vom Littfelder Jugendtreff „Glonk“ und von der Stadt Kreuztal. Während der Verlegung der Steine berichteten Jungen und Mädchen aus dem Jugendtreff von den Schicksalen, die hinter den eingravierten Namen stehen. In einer Broschüre haben sie mit Stadtarchivarin Ria Siewert und dem Historiker Dieter Pfau Bilder und Texte zu den zwölf Menschen zusammengestellt, deren Namen auf dem Boden nun zu stillen Verneigungen einladen sollen.

Im Bürgertreff Kapellenschule berichtete zum Abschluss der Veranstaltung Klaus Merklein vom Aktiven Museum über das Stolperstein-Projekt. „Die Geschichte der Juden im Amt Ferndorf (1797-1943)“, die auch als Grundlage für diese Aktion genutzt wurde, hat Dieter Pfau im vergangenen Jahr im Auftrag der Stadt als Buch veröffentlicht.

Die Stolpersteine

12 Stolperersteine verlegten gestern der Kölner Künstler Günter Demnig im nördlichen Kreuztaler Stadtgebiet. Sie erinnern an folgende von den Nationalsozialisten deportierten jüdischen Bürgern:

> Johanna Rosenheim
> Grete Meier
> Sarah Meier
> Siegfried Meier
> Minna Meier, geb. Hony
> Fred Meier
> Raphael Meier
> Johanna Meier, geb. Marx
> Eva Marx

Zwei weitere Steine erinnern an die beiden Littfelder

> Berthold Meier und
> Hugo Meier

Sie wurden nicht deportiert, wurden aber von dem Terrorregime aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Weitere Infos unter www.stolpersteine.com

-Siegener Zeitung-

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